Persönlich

Meine Trennung

Unsere Beziehung began Ende 2000, nachdem ein gemeinsamer Freund (sein bester Freund aus der Schule hat mit mir Biologie studiert) uns vorgestellt hat. Theo hatte damals noch eine Freundin, da ich aber damals „nur“ Erfahrungen sammeln wollte, hat mich das nicht gestört. Mit ihr lief schon länger nichts mehr im Bett und deswegen hat er angefangen sich umzusehen (ein Muster, was sich 20 Jahre später wiederholen sollte…). Da sich noch nie irgendein Mann für mich wirklich interessiert hat, ich war auch mehr der Bücherwurm und war selten auf Partys oder draußen generell, fand ich das aufregend. Erst nach über 8 Monaten haben wir uns eingestanden, dass wir uns lieben. Mit der Anderen hatte er zwei Monate, nachdem wir angefangen hatten uns zu sehen, Schluß gemacht.

Es folgten 14 Jahre einer völlig normalen gesunden ausgefüllten Beziehung. Wir sind nach 5 Jahren zusammengezogen, haben schöne Urlaube zusammen gehabt, uns ein Katzenpärchen angeschafft. Ich bin mit Hunden aufgewachsen, aber zu dem Zeitpunkt gingen eben nur Katzen. Ich hatte immer viele andere Exoten (Fische, Schlangen, Geckos, Spinnen) als Haustiere, was er auch toleriert hat. Wir hatten mit dem WoW zocken ein gemeinsames abendfüllendes Hobby. 2010 hat er sich ein Haus gekauft, in das wir dann gezogen sind. Ich bin runter auf 30 Stunden gegangen, da ich täglich 4 Stunden zu meiner Arbeit hin und wieder zurück gependelt bin und praktisch nur zum Schlafen zuhause war. Das brachte mir zwar weniger Geld, aber deutlich mehr Lebensqualität und vom Geld her passte es uns beiden. Im Haushalt war ich immer schon diejenige, die alles geputzt und gemacht hat, da hat sich Theo, ganz der Grieche, völlig rausgehalten. Auch Kochen war „mein Job“, einkaufen gingen wir gemeinsam, was ihm aber nie Spaß gemacht hat. Dafür hat er immer für alles gemeinsame gezahlt, also Kino o.ä.. Seine Eltern sind im Laufe der Zeit nach Griechenland gezogen und waren nur noch 3-4 mal im Jahr zu Besuch für ein paar Wochen, nicht bei uns im Haus zum Glück. Trotzdem war ich nicht gerne da, hauptsächlich wegen der Sprachbarriere. Beide können gut bis ok deutsch, aber zum erzählen benutzen sie es logischerweise nicht gerne, zumal sie ja oft Geschichten aus dem Dorf oder von Verwandten erzählt haben, die ich nicht kannte. Also saß ich meine Zeit bei dem Anstandsbesuch in den ersten Tagen ab, langweilte mich zu Tode (3 Stunden Gequatsche auf griechisch, was man nicht versteht, sind laaaang) und war dann höchstens noch einmal da. Theo war jeden oder jeden zweiten Tag da, ist ja auch seine Eltern. Sie sind aber für mein „Verständnis“ (oder Einordnung) eher auf dem Level meiner Oma: da gehe ich gerne mal hin und verweile ein paar Stunden für einen Besuch, aber jeden Tag oder jede Woche brauche ich das nicht. Zumal manche Einstellungen „Haustiere gehen gar nicht/sind schmutzig; jede Frau, die irgendjemand aus der Familie kennenlernt, ist eh nur hinter dem Geld her; Tattoos sind nur für Kriminelle“ sehr rückständig und teilweise unschön sind.

Frauen mit mehr Beziehungserfahrung hätten sich vielleicht schon lange getrennt. Seine Weigerung auch nur ein bißchen näher an meine Arbeitsstelle zu ziehen, er hatte am Tag 20min Fahrerei mit dem Auto pro Strecke und ich 2 Stunden mit der Bahn PRO STRECKE, seine Unlust auch nur irgendwas im Haus/am Haus zu machen bzw mitzuhelfen, sein absolute Weigerung etwas mehr auf meine sexuellen Neigungen einzugehen… Aber eine Trennung kam mir nie in den Sinn, im Nachhinein vielleicht ein Fehler…

2014 war dann das Jahr der Veränderung. Erstmal hat sich unsere langjährige WoW Gilde aufgelöst und Theo hatte auf einmal weder ein Hobby, was für ihn ja noch viel mehr war, weil er der Raidleiter war und somit Achtung und Respekt bekommen hat, noch Kontakt zu seinen „Freunden“. Er war nie jemand, der Freundschaften gepflegt hat oder sich gekümmert hat, aber die WoW Leute waren eben abends immer da im TS zum quatschen und für Unternehmungen ingame. Und dann hatte ich einen Sinusvenenthrombose, lag 14 Tage auf der Intensivstation, dann nochmal 14 Tage im Krankenhaus und war danach einen Monat in der Reha. Für mich war das Ganze tatsächlich gefühlt nicht schlimm, weil ich von der ersten harten Woche kaum was mitbekommen habe und danach immer nur meine positive Veränderung gesehen hab. Ich konnte wieder sprechen, ich konnte langsam wieder laufen usw.. Ich kann gar nicht nachvollziehen, wie das für Theo gewesen ist und auch wenn in den Gesprächen nach der Trennung gesagt hat, das die Zeit danach, in der es mir immer besser ging, für ihn die wichtigere war und er sich über jede Verbesserung gefreut hat: für mich war das der Anfang vom Ende. Er hat mich nur noch als „Opfer“ gesehen, mir nichts mehr zugetraut und es war dann keine Beziehung mehr auf Augenhöhe. Das alles hat er mir erst in den Gesprächen NACH der Trennung gesagt, davor wusste ich von seinen Gefühle zu der ganzen Sache nichts… Er hat auch mit niemandem darüber geredet, was irgendwie nicht so gesund ist. Ich war 8 Monate krankgeschrieben, habe die Diagnose MS bekommen und damit einen Schwerbehindertenausweis. Ich habe dann für eine kurze Zeit wieder im Buchhandel im Laden gearbeitet in einer Wiedereingliederung, aber das war nichts mehr für mich. Ein Lichtblick war mein erster eigener Hund, den mir meine Mutter im Krankenbett versprochen hatte. Theo hat mir später gesagt, dass er das definitiv nicht gewollt hat und es nur geduldet hat, weil es dieses Versprechen war… Durch einen Zufall bekam ich einen Job auf dem Gemüsehof der Familie einer Schulfreundin, aber vor Ablauf der Probezeit wurde ich gekündigt. Im Nachhinein weiß ich, dass ich da nicht glücklich geworden wäre, aber natürlich hat mich das erstmal aus der Bahn geworfen. Gelandet bin ich nach vielen vielen Bewerbungen und Absagen in einem Callcenter in einem Team, das den telefonischen Kundenservice für die Stadtwerke macht. Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Kollegen waren ein Traum (im ersten Sommer dort war ich fast jede Woche draußen in Cafes mit Kolleginnen), der Weg zur Arbeit waren nur 30min… das einzige, was da nicht gepasst hat, war das Gehalt, da es nur den Mindestlohn gab. Da ich ja aber in einer tollen Beziehung war, habe ich mir darüber keine Sorgen gemacht.

In den nächsten vier Jahren fror unsere Beziehung immer mehr ein. Wir machten kaum noch was zusammen/miteinander, hatten uns nichts mehr zu erzählen, waren nicht mehr liebevoll miteinander, aber das war mir tatsächlich nicht so bewusst. In der Nachsicht ist es klar, dass wir nur noch WG Partner waren, aber über Jahre war das ein schleichender Prozess. Der große Bruch war für mich seine absolute Weigerung, dass wir Arty bekommen. Für mich war das völlig klar, dass ich aus unserem ersten Wurf eine Hündin nehme, aber er wollte das absolut nicht. Er hat sich dann nach einigen Diskussionen gebeugt, aber für mich war danach das Vertrauen in ihn und unsere Beziehung völlig weg! Ich habe danach praktisch jeden Tag damit gerechnet, dass er mich und die Hunde rauswirft, bin aber in einer Starre verharrt, weil ich wusste, dass ich das mit dem Gehalt alleine nicht schaffen kann. War das Scheiße? Ja klar, war es doof, dass ich ihn so „ausgenutzt“ habe, aber das war er mir nach den ganzen Jahren auch iwie schuldig….. Emotional habe ich mich allerdings schon von ihm entfernt. 2019 kam er mit dem Gedanken, dass er vielleicht doch Kinder wollen würde. Er wusste, dass ich das keinesfalls wollte und mir das auch schon seit über 15 Jahren klar war, aber er ließ den Gedanken dann wieder fallen und nach dem anfänglichen Schock (und die Bestätigung, dass ich hier nur noch ein Leben auf Zeit führte), tat ich das als „Midlife-Crisis“ ab.

Es sollte deutlich mehr als das sein, denn ca. zu der Zeit muss er seine Neue kennengelernt haben. Ostersamstag 2020 eröffnete er mir dann, dass er eine neue Partnerin hat und sich von mir trennt. Er verließ das Haus und ließ mich damit alleine, was ich ihm zurecht sehr übel genommen habe, ebenso wie die Tatsache, dass er mich schon für Monate mit dieser neuen Frau betrogen hat. Aber das ist eben seine Masche: erst was neues sicheres finden und dann die Alte absägen. Ich bin dann erst zu einer Freundin und den Tag danach zu meinen Eltern, er kam erst am Abend des Ostermontags wieder. Es folgten einige klärende Gespräche mit ihm, in denen wir beide viel geweint haben, die aber auch sein mussten. Er war danach die meiste Zeit bei ihr und eher selten im Haus. Ich hatte mehrere Heulkrämpfe, teilweise über Stunden, bis ich mich dann nach zwei Wochen endlich emotional beruhigt habe. Zum Glück waren meine Gefühle für Theo schon länger nicht mehr da, sonst hätte mich das völlig zerstört. Ich habe ihm gesagt, dass ich es absolut daneben finde, dass er mich monatelang betrogen hat. Das eine Beziehung nach so langer Zeit zuende geht, ist nichts außergewöhnliches, aber sein Wie geht gar nicht. Es ist einfach schade, dass man eigentlich denkt, man kennt jemanden nach so langer Zeit. Aber das er es fertig gebracht hat, mich über Monate zu betrügen und zu belügen ohne das es mir aufgefallen ist, find ich immer noch erstaunlich. Wahrscheinlich ist meine Naivität oder das „Nicht-Sehen-Wollen“ auch dem geschuldet, dass er mir schon längere Zeit völlig egal war. Zudem tut es mir fast leid für ihn, dass er direkt von einer Beziehung in die nächste hastet, anstatt erstmal alleine zu leben und mit sich selber klarzukommen. Ich musste (und muss mir immer noch) mir erstmal klarwerden, wer ich denn ohne diese Beziehung bin! Wir waren unser halbes Leben zusammen als Paar, als Teil von etwas… Er sagte mir in den Gesprächen auch, dass er „Angst“ hat alleine zu sein. In meinen Augen wird er dann immer wieder an diesen Punkt kommen und sich nach was anderem umsehen, weil wirkliche Zufriedenheit nur aus einem selber kommt und nie von einem anderen Menschen abhängig gemacht werden darf. Er hätte sich weiterentwickelt (anderes Hobby, Laufen und Fahrrad fahren *gäääähn*, und Freundschaften außerhalb von Warcraft) und ich eben nicht, da mir zuhause sitzen, vielleicht mal ins Kino, und Youtube schauen und WoW zocken vollkommen reicht. Ich bin ein sehr unsozialer Mensch, der Kontakt zu anderen nur hat, wenn ich das will (mit fester Terminplanung) und es kontrollieren kann (ich fahre zu jemandem und kann selber bestimmen, wann ich wieder fahre) und das hätte ihn auch gestört, weil er nie Freunde mitbringen konnte (in seinen Augen…). Außerdem hat ihn meine Ablehnung seiner Familie dann irgendwann doch sehr gestört, was auch in Ordnung ist. Er war für mich auf sexueller Ebene immer langweilig und hatte ja bis auf WoW nie ein wirkliches Hobby. Ich hatte immer mehrere Interessen, die er in Gesprächen mit seinen Kunden dann oft breitgetreten hat, weil er keine eigenen hatte. Er war immer gut darin Konversationen zu betreiben, aber da ich sein Gelaber immer mehrfach mitbekommen habe, war mir auch immer schon klar, dass er andauernd dasselbe erzählt. Er ist und bleibt, wie eine Freundin das so treffend nach dem Beziehungsende formuliert hat, „aalglatt, nicht witzig denkt von sich aber, das er unglaublich witzig ist und ohne Profil“. Ich hab gemerkt, dass mich das Zusammenleben mit ihm in den letzten zwei Jahren unserer Beziehung sehr belastet hat, weil ich unterbewusst natürlich gespürt habe, dass er mich nicht mehr liebt und ich eben jeden Tag mit einem Rauswurf gerechnet habe. Als ich meine Schockphase überwunden hatte, war ich auf einmal wieder viel fröhlicher und aufgeweckter, hab mehr gelächelt und habe wieder Pläne gemacht.

Er hatte mir versprochen, dass er mir alle Zeit der Welt lässt, damit ich eine neue Wohnung finde, sodass ich in Ruhe gucken konnte, was er auch gemacht hat. Außerdem durfte ich alles aus dem Haus mitnehmen, was ich wollte. Wir haben ja nie geheiratet, so dass das wohl das mindeste war, das er mir mitgeben konnte. Mit zwei Hunden und meinem Budget, die Stunden hatte ich im Callcenter auf 35 aufgestockt aber Mindestlohn bleibt Mindestlohn, war das auch tatsächlich nicht einfach. Aber nach ein paar Monaten hatte ich was passendes schönes gefunden, den Garten habe ich vorher geplündert weil ich alle Pflanzen selber bezahlt habe und auf Familie und Freunde verteilt, und bin ausgezogen in mein neues Leben.

Er hat war immer gesagt, dass er mit mir in Kontakt bleiben wollte, weil er die 20 gemeinsamen Jahre nicht einfach so abtun wollte, aber er schafft es ja schon kaum mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben und sich um die Pflege dieser Freundschaften zu kümmern… Und so war es auch mit mir. Von ihm kam nie eine Kontaktaufnahme. Also habe ich letzte Woche (Mai 2021) ihm geschrieben, dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm wünsche und er bitte meine Nummer löschen soll. Es ging mir auf die Nerven, dass von ihm nie irgendwas über WhatsApp kam, Facebook oder andere Social Media Sachen nutzt er nicht, sondern er immer noch Sachen aus meinem Leben mitbekommen hat, aber ich gar nichts von seinem. So geht es mir deutlich besser und ich bekomm nicht jedes Mal Puls, wenn ich sehe, dass er meine neue Statusmeldung gesehen hat. Wir haben schöne Sachen zusammen erlebt und auch einige furchtbare Dinge und wir sind als Menschen gewachsen und haben uns entwickelt. Ich kann ganz persönlich für mich sagen, dass es ein Fehler war mit dem ersten Mann, mit dem ich Sex hatte, direkt so ewig zusammen zu bleiben, weil so habe ich meine sexuellen Blütejahre und die Chancen auf richtiges Rumprobieren vertan. Aber ich bereue nicht die lange schöne gemeinsame Zeit, die wir hatten!

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